Menschen in der Prostitution

"Gerade hilflose Frauen in Krisensituationen sind hochgradig gefährdet, Menschenhändlern in die Fänge zu gehen", erklärt Maria Loheide, sozialpolitische Vorständin der Diakonie Deutschland, bei einem Besuch in München. Darum sei es wichtig, dass die ankommenden Frauen aus der Ukraine als erstes auf qualifizierte Beraterinnen treffen, die sie aufklären und so vor dieser Gefahr schützen können

Der Krieg in der Ukraine zwingt immer mehr Menschen dazu, ihre Heimat zu verlassen. Berichte von Menschenhandel, sexualisierter Gewalt und Zwangsprostitution an Grenzübergängen, in Zügen und auch in einzelnen Aufnahmesituationen mehren sich. "Gerade hilflose Frauen in Krisensituationen sind hochgradig gefährdet, Menschenhändlern in die Fänge zu gehen", erklärt Maria Loheide, sozialpolitische Vorständin der Diakonie Deutschland, bei einem Besuch in München. Darum sei es wichtig, dass die ankommenden Frauen als erstes auf qualifizierte Beraterinnen treffen, die sie aufklären und so vor dieser Gefahr schützen können. "Dazu bedarf es einer schnellen personellen Aufstockung der Fachberatungsstellen", fordert Loheide.

Menschenhandel konsequenter verfolgen

Es müsse mehr dafür getan werden, Menschenhandel konsequenter strafrechtlich zu verfolgen. Hier brauche es mehr geschultes Personal bei Polizei und Justiz. "Als Diakonie treten wir Menschenhandel, sexualisierter Gewalt und Zwangsprostitution in jeder Form entschieden entgegen", betonte Loheide. "Die Diakonie Deutschland hat eine jahrzehntelange Erfahrung in der Beratung und Unterstützung im Bereich Prostitution und Menschenhandel." Ebenso hat die Diakonie jahrzehntelange Erfahrung in der Arbeit mit sexuellen Dienstleister*innen. Dr. Korinna Heimann, Fachbereichsleitung Migrations- und Frauensozialarbeit, Diakonie Hamburg, berichte von der Situation in der Hansestadt. "Wir sind sehr hellhörig, was die Situation der Menschen aus der Ukraine angeht." Bisher haben sich noch keine Menschen aus der Ukraine an unsere Beratungsstelle "Sperrgebiet" in Hamburg gewandt. Isabel Schmidhuber, Bereichsleiterin des Evangelischen Hilfswerks, berichtet das Gleiche von den Beratungsstellen Mimikry und Marikas, die in München Menschen in der Prostitution begleiten. In beiden Städten liegt der Fokus derzeit im Bereich Prävention. "Wir rechnen aber damit, dass sich dies in den nächsten Wochen ändert. Darum legen wir momentan den Fokus auf Aufklärung und Information. Dafür bringen wir mehrsprachige Flyer in Umlauf", erklärt Heimann.

Zwischen legaler und Zwangsprostitution klar unterscheiden

Loheide war es wichtig zu betonen, dass Menschenhandel sich nicht nur auf Prostitution bezieht. Meldungen aus den Fachstellen für Menschenhandel weisen darauf hin, dass es auch um Menschenhandel und Ausbeutung in privaten Haushalten gehe. In München setzen sich seit mehr als 30 Jahren die Mitarbeiter*innen der Beratungsstellen Mimikry und Marikas für Menschen in der Prostitution ein. Isabel Schmidhuber, die als Bereichsleiteirin beim Evangelischen Hilfswerk für die Beratungsstellen zuständig ist, wies auf die wichtige Unterscheidung zwischen Zwangsprostitution und legaler Prostitution hin. "Hier muss man klar differenzieren, Zwangsprostitution und Menschenhandel müssen mit aller Härte verfolgt werden", betont Schmidhuber. Gleichzeitig sei es wichtig, Männer und Frauen, die freiwillig in der Prostitution arbeiten, auf Augenhöhe zu begleiten: "Daher beraten wir die Frauen und Männer in allen relevanten Fragen, zum Beispiel bei Schulden, Wohnungslosigkeit oder in Erziehungs- oder gesundheitlichen Fragen. Aber selbstverständlich spielen auch gesundheitliche Fragen ein Rolle und auch die Beratung zum Ausstieg aus der Prostitution", so Schmidhuber.

BU: Maria Loheide

Foto: Diakonie Deutschland


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