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 Evangelisches Hilfswerk - Hitzige Standortdebatte in Memmingen

Hitzige Standortdebatte in Memmingen

Die Fachambulanz für Gewalt- und Sexualstraftäter zieht nicht wie geplant in die Hirschgasse in der Memminger Innenstadt. Das gab das bayerische Justizministerium im September bekannt.

 

Seit Ende 2018 gibt es eine Außenstelle der Münchner Fachambulanz in der kreisfreien Stadt im Allgäu. Die Einrichtung wird im Auftrag des Justizministeriums vom Evangelischen Hilfswerk (EHW) betrieben. Weitere Fachambulanzen gibt es in Nürnberg und Würzburg. Sie ermöglichen es, Gewalt- und Sexualstraftätern zeitnah psychotherapeutisch zu betreuen. „Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass mit Therapieeinrichtungen wie der unseren die Rückfälligkeit deutlich gesenkt wird“, betont Markus Feil, Leiter der Münchner Fachambulanz.

 

Die drei bayerischen Fachambulanzen haben ein sehr großes Einzugsgebiet; deshalb plant das Justizministerium Dependancen wie in Memmingen. Dort war die Einrichtung vorerst in der Bewährungsdienststelle des Landgerichts untergekommen. Allerdings war der Standort nur als Übergangslösung gedacht. Das EHW suchte daher nach einem neuen Mietobjekt und wurde in der innerstädtischen Hirschgasse fündig. „Uns war wichtig, dass wir uns im Stadtgebiet bewegen, damit wir gut erreichbar sind“, erklärt Gordon Bürk, Geschäftsführer des EHW. Gleichzeitig habe man bei der Standortsuche darauf geachtet, dass sich keine sensiblen Einrichtungen wie Schulen oder Kindergärten in der unmittelbaren Nachbarschaft befinden.

 

Doch gerade die zentrale Lage in der Hirschgasse sorgte in Teilen der Memminger Bevölkerung für Unmut: Anwohner befürchteten Übergriffe, einige starteten eine Unterschriften-Sammlung gegen den geplanten Standort. „Wir haben uns bemüht, transparent zu machen, dass unsere Arbeit präventiv ist“, sagt Gordon Bürk. „Wir tragen damit zum Opferschutz bei – und letztendlich zum Schutz der gesamten Bevölkerung.“

 

„Wir haben nicht versucht, irgendetwas nach Memmingen zu mogeln“, betont Markus Feil. Es habe wiederholt öffentliche Ankündigungen und Pressemitteilungen vom Justizministerium gegeben. Er kann die Angst der Anwohner nachvollziehen, es sei aber wichtig, sich bewusst zu machen, dass die Therapie der Straftäter zur Sicherheit beitrage: „Diese Menschen leben ja schon jetzt in Memmingen und Umgebung.“ Er spricht sich für einen rationalen Dialog aus: „Als demokratische Gesellschaft haben wir uns darauf geeinigt, ein Rechtsstaat zu sein. Wir können Straftäter nicht für immer wegsperren und ihnen keine Chance zur Resozialisierung mehr geben. Einrichtungen wie eine Fachambulanz schützen uns alle, Gefängnisse alleine können das nicht.“

 

Durch die Debatte sei der Standort am Ende ein Stück weit „verbrannt“ gewesen, gibt Gordon Bürk zu. Die notwendige Diskretion habe deshalb nicht mehr gewährleistet werden können. Aus diesem Grund kam die Entscheidung des bayerischen Justizministers, auf die Unterbringung der Fachambulanz in der Hirschgasse zu verzichten, für ihn nicht allzu überraschend. Vorerst werde in der Bewährungsdienststelle weitergearbeitet, so Bürk. „Die Räume dort werden so ausgebaut, dass wir nicht gleich morgen wieder ausziehen müssen“, sagt der EHW-Geschäftsführer. „Ob das unser dauerhafter Standort bleibt, ist allerdings noch nicht beschlossen.“ Er versichert aber: „Wir bleiben auf jeden Fall in Memmingen.“

 

Christine Richter


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