Case Management für Systemwanderer

Mit dem Fachdienst „Case Management“ kümmern sich der Katholische Männerfürsorgeverein München e. V. (KMFV) und das Evangelische Hilfswerk München seit 2011 gemeinsam intensiv um wohnungslose Menschen, die Einrichtungen und Angebote des Hilfesystems bisher nur bedingt bzw. zeitweise annehmen können. Nach einer mehrjährigen Projektphase ist der Fachdienst nunmehr in die Regelförderung überführt worden. Ein Paradebeispiel für die Zusammenarbeit innerhalb des Münchner Netzwerk Wohnungslosenhilfe.

Anfang der 2010er Jahre wurde in der Münchner Wohnungslosenhilfe eine Zunahme von Menschen verzeichnet, die bei vielen Einrichtungen und Diensten bekannt waren, die dortigen Angebote jedoch nur bedingt oder zeitweise annehmen konnten. Das Leben dieser Klientel ist geprägt durch langjährige Wohnungslosigkeit häufig verbunden mit Sucht- und/oder psychischen Erkrankungen. Eine kontinuierliche bedarfsgerechte Betreuung dieser Menschen war häufig nicht möglich, da es immer wieder zu Abbrüchen der Betreuung kam. Aufgrund auffallend häufiger Wechsel der Betreuungseinrichtungen wurde der Personenkreis als „Systemwandernde“ bzw. „Grenzgänger“ bezeichnet.

Um diesen Menschen eine adäquate Betreuung zur Seite zu stellen wurde der Fachdienst Case Management im Oktober 2011 ins Leben gerufen. Mit je einer Vollzeitstelle wurde der Fachdienst beim KMFV im Haus an der Pilgersheimer Straße und beim Evangelischen Hilfswerk in der Teestube „komm“ mit einem Betreuungsschlüssel von 1:6 bis 1:10 angesiedelt. Zum Jahresanfang 2019 wurde das Projekt, das bisher nur einen befristeten Projektstatus hatte, durch den Kostenträger, die Landeshauptstadt München, entfristet und ist nun fester Bestandteil der Münchener Wohnungslosenhilfe.

„Nicht nur im Hinblick auf gemeinsame politische Positionierung, sondern auch auf fachlicher Ebene findet eine intensive Kooperation innerhalb des Münchner Netzwerkes Wohnungslosenhilfe statt. Gemeinsam reagieren wir auf die Veränderung der Bedarfe mit entsprechenden Angeboten. Ein Beispiel hierfür ist das Case Management“, so Claudia Eisele, Abteilungsleiterin Ambulante Dienste und Fachreferentin Wohnungslosenhilfe des KMFV.

Durch das Case Management kann die Beratung und Begleitung am individuellen Hilfebedarf ausgerichtet und eine kontinuierliche Begleitung gewährleistet werden. Dementsprechend stehen die Mitarbeitenden den Betreuten auch nach Bezug einer Einrichtung mit persönlicher Beratung, Krisenintervention, Hilfe bei behördlichen Angelegenheiten und der Abklärung von Problemlagen zur Seite, bis sich der Aufenthalt dort stabilisiert hat.

Ebenso kann eine Einrichtung, in der sich der Betreute aufhält, bei auftretenden Schwierigkeiten das Case Management hinzuziehen. So kann ein erneuter Verlust des Wohnplatzes vermieden bzw. bei der Suche nach einem geeigneteren Wohnplatz unterstützt werden. Sollte der Wohnplatz dennoch verloren gehen, ist die weitere Beratung und Begleitung gewährleistet. Hierdurch kann ein Gesamteindruck über die Wohnbiographie des jeweiligen Einzelfalles entstehen, Rückschlüsse für neue Vermittlungsvorschläge gezogen werden bzw. eine bedarfsorientierte Vermittlung erfolgen.

„Im Rahmen des Case Managements ist die Beziehungsarbeit sehr wichtig. Es kommt darauf an den Betreuten zu vermitteln, dass, egal welche Brüche sie im Leben erleben, sie bei uns immer einen Ort haben, zu dem sie zurückkehren können“, erklärt Frank Kumpfmüller, Sozialarbeiter, Teestube „komm“ des Evangelischen Hilfswerks München. „Die von uns betreuten Personen haben in ihrem Leben sehr viel Ablehnung und Beziehungsabbrüche erfahren. Durch unseren Personalschlüssel haben wir diese Zeit für eine intensive Beziehungsarbeit. Hier ist es möglich Vertrauen aufzubauen und die Betreuten zu motivieren ihre Situation zu ändern“, ergänzt Christina Krahe, Sozialarbeiterin im Haus an der Pilgersheimer Straße des KMFV.

 „Das Case Management ist ein Paradebeispiel für die gute Zusammenarbeit innerhalb des Münchner Netzwerkes Wohnungslosenhilfe. Ich bin immer wieder begeistert mit wieviel Engagement hier tägerübergreifend Menschen geholfen wird, die es nicht so einfach im Leben haben“, zeigt sich Petra Reiter, Schirmherrin des Münchner Netzwerk Wohnungslosenhilfe, begeistert.

„Das Case Management funktioniert sehr gut, aber wir sehen bei der Vermittlung dieses Personenkreises einen zusätzlichen Bedarf an sogenannten ‚Lebensplätzen‘ für Männer. Für Frauen, die schwer in Einrichtungen der Wohnungslosehilfe zu vermitteln sind, gibt es in München bereits ein solches Angebot, das sehr große Erfolge verzeichnet und den betreuten Frauen dort langfristige Wohnperspektiven ermöglicht“, fasst Gordon Bürk, Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerks München zusammen.

Das Münchner Netzwerk Wohnungslosenhilfe ist ein Zusammenschluss von sechs sozialen Trägern, die in München verschiedene Angebote für wohnungslose Menschen zur Verfügung stellen. Ziel ist, Ressourcen zu bündeln und den Anliegen wohnungsloser Frauen, Männern und Familien in der Öffentlichkeit mehr Gehör zu verschaffen. Die Schirmherrschaft hat Petra Reiter, Ehefrau des Münchner Oberbürgermeisters, übernommen.

Zum Netzwerk gehören die Arbeiterwohlfahrt München, das Evangelische Hilfswerk München, der Internationale Bund e. V., der Katholische Männerfürsorgeverein München e. V., der Sozialdienst katholischer Frauen e. V. München und die Wohnhilfe e. V.

Nähere Informationen unter www.wohnungslosenhilfe-muenchen.net

KlausHonigschnabel


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