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Gefeierte Civilcourage

Jahresempfang von Regionalbischöfin Breit-Keßler widmet sich dem beherzten Einsatz für Mitmenschen.

 Zivilcourage ist Herzenssache — das war der Tenor beim mittlerweile siebten Jahresempfang von Regionalbischöfin Susanne Breit-KeßIer in der Allerheiligenhofkirche.
Zivilcourage braucht die Einsicht, dass es auf jeden von uns ankommt«, sagte die Theologin vor rund 350 geladenen Gästen. Dazu gehörten in diesem Jahr auch Ehren- und Hauptamtliche, die mit ihrer Arbeit Zivilcourage fördern.
Wie zum Beispiel die Schulbezogene Jugendsozialarbeit. »Unsere Schülerstreitschlichter profitieren selbst am meisten von ihrem Einsatz«, ist Carina Egerter überzeugt. Die SoziaIpädagogin der Evangelischen Jugend München bildet an der Hauptschule am Winthirplatz seit zwei Jahren Schülerinnen und Schüler zu Konfliktprofis aus: Wie sende ich eine Ich-Botschaft, wie nehme ich Emotion aus einem Streitgespräch, was sagt mir die Körpersprache des anderen, - wie wecke ich das gegenseitige Verständnis der Streithähne? Der Erfolg solcher Streitschlichterkonzepte ist ein doppelter: Zum einen reden Jugendliche oft lieber mit Gleichaltrigen über ihren Konflikt und dessen Ursachen als mit einem Lehrer. Und zum anderen verbessert sich die Streitkultur, je mehr Schüler in den Schlichterprogrammen mitmachen. »Unsere Streit- schlichter haben eine Vorbildfunktion; sie reagieren in Konflikten besser und können auch später gezielter hinschauen, wenn Zivilcourage nötig ist«, sagt Egerter.

Einem Fremden die Hand reichen

Zivilcourage ist auch in der Straffälligenhilfe des Evangelischen Hilfswerks nötig. 30 Ehrenamtliche begleiten jährlich 85 Strafgefangene aus acht bayerischen Gefängnissen. Peter Möller ist einer von innen. »Für Strafgefangene. die keinen Besuch bekommen, sind wir eine Brücke zur Gesellschaft«, sagt der frühere Leiter der Straffälligenhilfe. Denn nur wenn ein Häftling einen sozialen Kontakt nach »draußen« hat, ist Vollzugslockerung möglich — in Form von Besuchen, begleiteten Ausgängen und Urlauben. All das sind für Möller Maßnahmen, damit der Häftling sich nach seiner Entlassung wieder in der Gesellschaft zurechtfindet. Zivilcourage? »Das ist, wenn ich mich auf einen Menschen, den ich nicht kenne und der im Gefängnis sitzt, einlasse, ihm die Hand reiche und daran glaube, dass er es mit unserer Hilfe schaffen kann«, sagt Möller.
Egerter und Möller sind nur zwei Beispiele für Menschen, die - wie von Regionalbischöfin Breit-KeßIer gefordert — mit »Hirn und Herz« für andere einstehen und sich »selbstbewusst und leidenschaftlich« für andere engagieren — und zwar in Arbeitsbereichen, an die man beim Stichwort »Zivilcourage« nicht unbedingt sofort denkt.
Woran jeder sofort denkt, ist Dominik Brunner, der Geschäftsmann, der im September 2009 von zwei Jugendlichen zu Tode geprügelt wurde, weil er sich in der S-Bahn schützend vor vier Kinder gestellt hatte. »Die Reaktionen auf diese Tat waren vielfältig», sagte die bayerische Justizministerin Beate Merk in ihrer Festrede beim Jahresempfang. »Eine aber — und das macht mich stolz — blieb aus: die Schockstarre.« Sie würdigte Bündnisse wie die »Münchner Courage« und dankte den Gästen des Empfangs für ihren Einsatz für die Zivilcourage: »Wir sind angewiesen auf Menschen, die nicht wegschauen, sondern hinsehen und helfen«, so Merk.
Nach dem offiziellen Teil erwartete die Festgesellschaft schließlich königliche Atmosphäre hei Kaiserwetter: Das Team des Tegernseer Gastronomen Martin Frühauf hatte sein Buffet diesmal im Kabinettsgarten aufgebaut — Lust wandeln inklusive.
 

Susanne Petersen, Sonntagsblatt Nr. 5, 20.06.2010

 

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