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Fachambulanz für entlassene Sexualstraftäter gegründet
Bayerisches Justizministerium und Evangelisches Hilfswerk München starten Modellprojekt.Mit Unterstützung der Diakonie geht der Freistaat neue Wege in der Betreuung entlassener Sexualstraftäter: Erstmals soll in Bayern von kommendem Sommer an eine psychotherapeutische Fachambulanz speziell für diesen Personenkreis errichtet werden. Das bayerische Justizministerium und das Evangelische Hilfswerk München haben zu diesem Zweck heute einen Vertrag geschlossen. Das zunächst auf drei Jahre angelegte Modellprojekt solle dazu beitragen, dass „die psychotherapeutische Nachsorge entlassener Sexualstraftäter erheblich verbessert wird“, heißt es darin.
Das Justizministerium finanziert die Einrichtung mit einem jährlichen Betrag in Höhe von bis 300.000 Euro; das Evangelische Hilfswerk ist für die fachliche Betreuung und organisatorische Abwicklung zuständig. Eine ähnliche Einrichtung gibt es in der Bundesrepublik derzeit nur in Stuttgart.
Justizministerin Beate Merk (CSU) freut sich über den erfolgreichen Verlauf der Verhandlungen: Durch die intensive Nachbetreuung werde nun der Versuch unternommen, Sexualstraftäter in die Gesellschaft zu reintegrieren. Damit könne „der Schutz der Menschen vor Wiederholungstaten deutlich verbessert werden“, so die Ministerin. Das Justizministerium bemühe sich zudem, die haushaltsrechtlichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass eine ähnliche Einrichtung im kommenden Jahr auch in Nürnberg den Betrieb aufnehmen kann.
Bei einem Erfolg des Modellprojekts soll es nach dem Willen der Ministerin auf Dauer eingerichtet werden. Die Ambulanz soll vorwiegend solche Straftäter betreuen, die aus dem bayerischen Justizvollzug entlassen wurden und die eine gerichtliche Weisung haben, sich einer Therapie zu unterziehen.
Gordon Bürk, Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerks, bewertet den Vertragsabschluss als einen „Meilenstein“: „Mit der Finanzierung dieses Modellprojektes setzt das bayerische Justizministerium ein wichtiges Signal, dass Maßnahmen zur Reintegration von Sexualstraftätern einhergehen mit einem verbesserten Schutz der Allgemeinheit vor Wiederholungstaten.“ Bürk ist derzeit damit beschäftigt, entsprechend geschultes Fachpersonal zu suchen. Zwei Vollzeitstellen für Ärztliche oder Psychologische Psychotherapeuten sind zu besetzen. „Für diese verantwortungsvolle Aufgabe kommen nur Kräfte infrage, die langjährige und intensive Erfahrungen mit Straftätern und Suchtkranken haben.“
Ziel der Fachambulanz ist es, durch ein sehr spezifisches psychotherapeutisches Angebot und mithilfe einer sehr engmaschigen Zusammenarbeit mit der Bewährungshilfe und Justiz eine nachhaltige Wiedereingliederung zu ermöglichen und das Rückfallrisiko zu minimieren. Das Evangelische Hilfswerk München – ein hundertprozentiges Tochterunternehmen der Inneren Mission München – engagiert sich seit vielen Jahren erfolgreich mit ambulanten und stationären Angeboten in der Straffälligenhilfe.
Klaus Honigschnabel
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