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01.10.2008 - Kunst im Knast soll Brücken bauen

Neues Therapieprojekt für Sexualstraftäter in der Justizvollzugsanstalt München-Stadelheim.Das Evangelische Hilfswerk München startet heute im Auftrag des Bayerischen Justizministeriums ein weiteres Projekt zur Therapie von Sexualstraftätern: Erstmalig findet in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Stadelheim ein kunsttherapeutisches Projekt statt, in dessen Verlauf sich die Häftlinge intensiv mit ihrem bisherigen Leben und ihrer Straftat auseinandersetzen. Das Projekt ist in der Sozialtherapeutischen Abteilung angesiedelt, deren ärztlicher Leiter, Medizinaldirektor Matthias Hollweg, ebenfalls in das Konzept eingebunden ist. Die Kunsttherapie hat sich nach wissenschaftlich überprüften Erfahrungen als geeignetes Mittel erwiesen, um Straftäter in die Lage zu versetzen, die Ursachen ihrer Straftat zu ergründen und sich dadurch besser zu kontrollieren. Damit trägt sie dazu bei, die Gefahr zu verringern, dass es zu einem Rückfall kommt. Auch der Leiter der JVA, Leitender Regierungsdirektor Hans Herbert Moser, zeigte nach den vorbereitenden Gesprächen „großes Interesse“ an dem Angebot. Vorläufig bis Ende kommenden Jahres finanzieren das Bayerische Justizministerium, der Bayerische Landesverband für Gefangenenfürsorge und Bewährungshilfe (BayLGB) sowie das Evangelische Hilfswerk das Projekt, das Kunsttherapeutin Andrea Wenger leitet. Im Mai kommenden Jahres, wenn in Stadelheim das neue Gefängnis fertig gestellt ist, soll es ein weiteres Angebot für Frauen geben. Andrea Wenger: „Kunst kann Brücken bauen in die Gesellschaft.“ Einmal wöchentlich trifft sich die Therapeutin mit einer Gruppe von etwa sieben Strafgefangenen. Zu Beginn können die Häftlinge ein oder zwei Mal noch unverbindlich an der Gruppe teilnehmen. Wer sich dann dafür entscheidet, muss mindestens drei Monate dabei bleiben. Nach dem Eingangsgespräch folgt die Phase des kreativen Gestaltens, in der die Gruppenmitglieder gemeinsam an einem Thema arbeiten. „Dabei haben die persönlichen Themen der Gefangenen immer Vorrang“, erläutert Andrea Wenger ihr Vorgehen. Die entstandenen Bilder und die damit angesprochenen Inhalte werden anschließend besprochen und in einen Kontext gestellt, der dem Gefangenen die Möglichkeit bietet, sich konstruktiv damit auseinander zu setzen. Andrea Wenger:„Die Kunsttherapie ist ein Weg zur Selbsterfahrung mit kreativen Mitteln.“ Sie diene der Weiterentwicklung der eigenen Persönlichkeit und biete den Gefangenen die Möglichkeit zur Neuorientierung. Somit sei das Projekt „Kunsttherapie im Strafvollzug“ ein weiterer Schritt auf dem Weg zur Resozialisierung. Mithilfe künstlerischer Methoden werde „aktiver Opferschutz“ betrieben, so Andrea Wenger. Bereits vor eineinhalb Jahren hat sie die Initiative „knastart“ gegründet. Ziel dieser Initiative ist es, bayernweit Kunsttherapie sowohl in den sozialtherapeutischen Abteilungen als auch im Regelvollzug der Justizvollzugsanstalten fest einzubinden. dri/ho

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