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11.01.2006 - Psychotherapeutische Fachambulanz für Sexualstraftäter erforderlich

Das Evangelische Hilfswerk München, ein Tochterunternehmen der Inneren Mission, plant, eine psychotherapeutische Fachambulanz für Sexualstraftäter ins Leben zu rufen.Das Evangelische Hilfswerk München, ein Tochterunternehmen der Inneren Mission, plant, eine psychotherapeutische Fachambulanz für Sexualstraftäter ins Leben zu rufen. Eine bisherige präventive Begleitung auch dieses Täterkreises findet bereits seit einigen Jahren im Bodelschwingh-Haus, einer stationären Resozialisierungseinrichtung des EHW für straffällig gewordene Männer, statt. Im Zentrum der Aufgabenstellung steht hier die gesellschaftliche Wiedereingliederung mit dem Ziel, die ehemaligen Häftlinge zu einer selbstständigen, eigenverantwortlichen und straffreien Lebensbewältigung zu befähigen. Seit Bestehen des Bodelschwingh-Hauses lassen sich statistisch und faktisch gute Erfolgsquoten im Rahmen der Wiedereingliederung belegen. „Bislang gibt es bei uns eine fachliche Begleitung und Betreuung in Zusammenarbeit mit niedergelassenen Therapeuten und anderen Fachstellen“, erläutert Leiter Thomas Westermann. Doch diese Form der Betreuung reiche eben in manchen Fällen nicht aus. Dies habe sich auch im Fall des Straftäters Martin P. gezeigt, der nur wenige Monate nach Verbüßung seiner Haftstrafe erneut einen Mord beging. Der derzeitige Prozessverlauf im Mordfall am neunjährigen Peter aus München-Neuperlach finde unter großem Medieninteresse statt; viele Berichte beschränkten sich jedoch lediglich auf „Sex and Crime“-Aspekte, so Westermann. „Es bleibt offen, wie künftig die noch immer großen Lücken im fachlichen Umgang mit Sexualstraftätern und deren Rückfallgefährdung angemessen abgedeckt werden könnten.“ Hinsichtlich des einstigen Hausbewohners Martin P. stellt der Diplom-Sozialpädagoge fest, dass bereits vor dessen Aufnahme in das „Bodelschwingh-Haus“ am 14. April 2004 die erforderliche Vorarbeit mit den Organen der Justiz und dem Klienten stattfand: Unter den Bedingungen, am Wiedereingliederungsprogramm aktiv mitzuarbeiten, sich regelmäßig bei der Führungsaufsicht zu melden, erneut eine ambulante Psychotherapie aufzunehmen sowie dem Verbot, Minderjährige zu beaufsichtigen oder mit ihnen Kontakt zu haben, wurde Martin P. im Haus aufgenommen. „Bereits nach relativ kurzer Zeit wurde jedoch ersichtlich, dass er die Zusammenarbeit vernachlässigte. Als er schließlich gegen grundsätzliche Vereinbarungen verstieß, wurde der Betreuungs- und Nutzungsvertrag gekündigt.“ Die Betreuer empfahlen ihm daraufhin dringend, sich erneut in eine weitergehende stationäre, psychotherapeutische Behandlung zu begeben und boten hierzu auch ihre Vermittlung an. Martin P. nahm das Angebot nicht an und verließ das Bodelschwingh-Haus. Die zuständigen Justizbehörden in München wurden unverzüglich über den Sachverhalt informiert. Nach dem Mord an dem 9jährigen Peter entstand dann als erste Konsequenz aus diesem Fall die Konzeption für eine psychotherapeutische Fachambulanz, die derzeit dem bayerischen Justizministerium zur Prüfung vorliegt. Thomas Westermann: „Diese Ambulanz muss den ganzen Problemkreis vermehrt bündeln und konkret die Vermittlung, Durchführung und Kontrolle therapeutischer Maßnahmen gewährleisten.“ Weitere Aufgaben wären akute Krisenintervention sowie eine Vernetzung aller beteiligten Fachstellen, um den Informationsfluss über klientenbezogene Daten sicherzustellen. Dringend nötig sei es auch, die Versorgungsstrukturen an niedergelassenen Therapeuten zu verbessern sowie zusätzliche Therapieplätze und sonstige Betreuungs- und Beratungsangebote für haftentlassene Sexualstraftäter zu schaffen. Dazu gehört auch die Erstellung eines differenzierten, am jeweiligen Täterprofil orientierten Behandlungs- und Therapieangebotes. Für die Trägerschaft der Fachambulanz hat sich das Evangelische Hilfswerk München beworben, die Kosten sollen durch Justizmittel sichergestellt werden. Westermann: „Dieses präventive Angebot ist insgesamt effektiver und kommt zudem noch billiger, als abzuwarten, bis wieder jemand rückfällig wird.“ Klaus Honigschnabel

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