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11.01.2006 - Traditionelle Obdachlosen-Bescherung im Hofbräuhaus
Mosis Stern leuchtet Bedürftigen in der Teestube "komm".Die freiwilligen Helfer sind informiert, die Dekoration verpackt, die Liedtexte sortiert und auch die Weihnachtsgeschenke sind fertig: Etwa tausend Obdachlose lädt der Katholische Männerfürsorgeverein (KMFV) wieder zur Weihnachtsfeier am 24. Dezember ins Münchner Hofbräuhaus ein. Die Veranstaltung findet zum 55. Mal statt und ist immer wieder für alle Beteiligten etwas Besonderes.
Auch dieses Jahr wird Christa Slama erst weit nach Mitternacht nach Hause kommen. 20 Stunden war die Chefsekretärin des KMFV dann auf den Beinen, aber an Schlafen ist nicht zu denken. Die Namen von 170 ehrenamtlichen Helfern und Helferinnen, zwischen 20 und 80 Jahre alt, befinden sich in Christa Slamas Kartei. Die meisten sind seit langem im Hofbräuhaus-Team. Neue Interessenten müssen sich in der Regel persönlich vorstellen – viele werden von der Münchner Ehrenamtlichen-Agentur "Tatendrang" vermittelt.
Die Helfer werden als Bedienung, in der Küche, an Schenke und Spüle gebraucht - doch an diesem Abend ist auch ein offenes Ohr und Einfühlungsvermögen gefragt. Tausend meist männliche Gäste sind ab halb sechs Uhr abends zu versorgen, die Gänge zwischen den festlich dekorierten Tischen sind eng – diese Tuchfühlung ist ungewohnt und nicht immer ohne Streit auszuhalten. Seit 1990 stellt die Pächter-Familie Sperger den Festsaal des Hofbräuhauses kostenlos zur Verfügung.
600 Menschen in München sind obdachlos. Die Zahl beruht auf einer Straßenumfrage und ist schon einige Jahre alt. Im kommenden Jahr soll nach Angaben der Pressestelle des Sozialreferats eine erneute Umfrage stattfinden. "600 - das ist ein Durchschnittswert", sagt Anton Auer, Dienststellenleiter des Evangelischen Hilfswerks in München, das sich in seinen Obdachloseneinrichtungen ebenfalls in der Advents- und Weihnachtszeit besonders um die Menschen von der Straße kümmert.
"Im Sommer sind es mehr. Am Jahresende, wenn es kälter wird, sind es weniger", weiß Auer. Aber auch bei klirrender Kälte sind unter Münchens Isarbrücken Obdachlose anzutreffen. Regelmäßig bringen einige Bürger an Weihnachten Wärmendes zu ihnen. Decken, Schlafsäcke und auch Alkohol. "Das ist für unsere Arbeit kontraproduktiv", sagt Auer. "Es ist besser, die Institutionen der Wohnungslosenhilfe zu unterstützen."
In der Teestube "komm" des Evangelischen Hilfswerks wird es in der Adventszeit oft eng. Im Schnitt halten sich hier 150 Menschen täglich auf, die meisten davon entziehen sich weiteren Hilfsangeboten. "Es ist eine konfliktbeladene Zeit. Das merken wir in den Einzelgesprächen und es kracht öfter zwischen den Besuchern", erzählt Auer. Entspannter ist es für die Männer in den Betreuten Wohngemeinschaften, für die, die nicht mehr "Platte machen". Der Diplomsozialarbeiter Christoph Rabas zumindest erlebt die Adventszeit in der Wohngemeinschaft in der Dreimühlenstraße nicht als Krisenzeit.
In der Vergangenheit hat der auf tragische Weise ums Leben gekommene Rudolph Moshammer oft die Obdachlosen in der Teestube persönlich beschenkt. Auch in diesem Jahr unterstützt der von ihm gegründete Verein "Licht für Obdachlose" die Obdachlosenarbeit des Evangelischen Hilfswerkes München. Es sei dem Verein ein Anliegen, "Rudolph Moshammers großes und ernsthaftes Engagement für die Belange von Obdachlosen" fortzusetzen, so der Vorsitzende, Rechtsanwalt Florian Besold, in einem Brief an die Teestube "komm". Auch wenn ein erheblicher Teil des Nachlasses langfristig und zweckbestimmt gebunden sei, könne man auf Grund der günstigen Haushaltslage das bisherige Engagement fortführen.
Die Verantwortlichen der Teestube freuen sich sehr über dieses "Christkindl". Mit dem gespendeten Betrag von 2.500 Euro wird zum einen die Besucherweihnachtsfeier finanziert, zu der in den vergangenen Jahren immer rund 200 obdachlose Menschen gekommen waren. Zum anderen rückt die Anschaffung einer dringend benötigten Waschmaschine in greifbare Nähe. Teestuben-Leiter Anton Auer: "Mosis Stern leuchtet den Obdachlosen auch noch nach seinem Tod."
(epd-Nachrichten, 22.12.05)
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