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19.07.2005 - Gor for it!

Die State Street Bank tut Gutes - auch in München.Der Preis ist eigentlich eher unscheinbar – und doch ist Thomas Bergenroth sichtlich stolz auf das Ding, das er aus dem Regal holt: „Community Service Office of the Year 2003“ steht auf der kleinen Acrylglas-Stele, in die eine halbe Weltkugel eingelassen ist. Bekommen hat ihn das Münchner Büro mit seinen 240 Mitarbeitern, weil es sich im Verhältnis zu anderen 24 State Street-Büros, die weltweit operieren, am effektivsten für die ehrenamtliche Nachbarschaftshilfe eingesetzt hat. Hier in München hat die aus Boston stammende Bank 1970 ihr erstes Büro außerhalb der Vereinigten Staaten eröffnet. Und hier in der bayerischen Landeshauptstadt ist das mit der Nachbarschaftshilfe wirklich wörtlich zu nehmen: Nur ein paar hundert Meter sind es vom Stiglmaierplatz bis zum Frauenobdach „Karla 51“ in der Karlstraße, dessen Arbeit die Bank im Laufe der vergangenen Jahre mit rund 20.000 Dollar unterstützt hat. Sich für Projekte in der unmittelbaren Umgebung und der eigenen Stadt einzusetzen, hat lange Tradition bei dem amerikanischen Unternehmen, das weltweit im internationalen Bankgeschäft tätig ist. „Wir verdienen Geld und da kann man auch etwas zurückgeben“, sagt Thomas Bergenroth ganz lapidar. In München werden neben dem Evangelischen Hilfswerk auch Institutionen gefördert wie die „Münchner Tafel“, die Yehudi-Menuhin-Stiftung mit „Live Music Now“ oder die „Elterninitiative Krebskranker Kinder“. State Street betreut ausschließlich institutionelle Investoren und bietet ein umfassendes Spektrum an Finanzdienstleistungen, wie beispielsweise Depotbank-Services für Spezialfonds, und Investmentmanagement-Dienstleistungen. Weltweit hat sie nur etwa 3.000 Kunden. Thomas Bergenroth: „Für eine normale Bank wäre das viel zu wenig.“ Aber es komme eben darauf an, welche Summen diese Kunden so bewegen. Anderthalb Prozent des Bruttogewinns gibt das Unternehmen jährlich für Spenden aus; zusammen mit den anderen Hilfeprogrammen hat sich das im vorigen Jahr weltweit auf stattliche 77 Millionen Dollar summiert. Doch dabei ist die finanzielle Hilfe nicht alles, was die Company auf die Beine stellt: Anfang Dezember wird der „Global Volunteer Day“ ausgerufen; weltweit engagieren sich die Mitarbeiter ehrenamtlich bei ausgesuchten Projekten; in München sind es rund dreißig. In „Karla 51“ beispielsweise haben sie schon bei Weihnachtsfeiern tatkräftig mitgeholfen oder auch einmal die Büroräume neu gestrichen. Auch Thomas Bergenroth als Generalbevollmächtigter des Münchner Büros ist da mit von der Partie: Voriges Jahr hat der 45-jährige Familienvater beispielsweise zusammen mit psychisch kranken Erwachsenen Weihnachtsplätzchen gebacken. „Wir ermuntern nicht nur unsere Mitarbeiter, so etwas zu tun, sondern leben die Unternehmens-Philosophie auch in der Chefetage vor.“ Die Mitarbeiter und eine Freiwilligenagentur schlagen die Projekte vor, eine eigens nach Büroschluss einberufene Gruppe bewertet sie und wählt aus. Dann heißt es nur noch: „Go for it!“ Im Nachhinein wird die Aktion dann ausgewertet. Lief alles gut, geht es im kommenden Jahr weiter; war es ein Flop, dann bleibt es eben bei der einmaligen Hilfe. Die Diskussionen darüber, so bemerkt Thomas Bergenroth eher nebenbei, seien übrigens auch „absolut teamfördernd“. Gordon Bürk, Geschäftsführer des Evangelischen Hilfswerks, ist von der gemeinnützigen Art des Unternehmens sehr angetan. Und weil die State Street Bank auch Zuschüsse zu den Personalkosten gegeben hat, ließen sich so manche Kürzungsmaßnahmen bisher noch einigermaßen glimpflich abfedern. „Ohne diesen Zuschuss hätte es ziemlich düster ausgesehen.“ Als wichtig sieht er – neben der finanziellen Unterstützung – gerade auch das freiwillige Engagement unmittelbar in den Projekten. Wenn Menschen, die finanziell gut abgesichert sind, mit Obdachlosen zusammenkommen, „dann sehen die auch einmal über ihren Tellerrand hinaus“. Und: „Die werden durch so einen Einsatz mit einer Welt konfrontiert, die ihnen oft völlig unbekannt ist.“ Die Erfahrungen, die sie dabei machen, beeinflussen ihre Werte und Vorstellungen nachhaltig. Vieles ist bei der State Street Bank amerikanisch: Dass sich alle mit Vornamen anreden und auch den Chef duzen, dass die Wände zwischen den einzelnen Büros durchwegs aus Glas sind und dass es eben zur Unternehmenskultur gehört, sich den gesellschaftlichen Verpflichtungen zu stellen. Oder wie Thomas Bergenroth sagt: „Wir bügeln den Rückzug des Staates aus dem Sozialbereich aus.“ Aber warum macht eine Bank das und gibt vom Gewinn etwas an andere ab? Vielleicht liegt das ja auch an dem unscheinbaren gelb-schwarzen Plakat, das im Büro des Direktors irgendwo an der Wand lehnt. „Our values“ ist es überschrieben und führt in einer Handvoll schlanker Zeilen die Werte auf, auf die das Unternehmen stolz ist. Als Letztes steht da der lapidare Satz: „We operate in absolute integrity“- wir arbeiten absolut aufrichtig. Das gilt offenbar in jeglicher Beziehung. Klaus Honigschnabel, Diakonie Report der Inneren Mission München, Nr. 31/2005

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